Unerwünschtes Verhalten – wem gehört der öffentliche Raum?

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Hier wird unerwünschtes Verhalten an die Kette gelegt: der Regensburger Bahnhof soll “sauberer” werden.

 

 

Nachdem die CSU und die FDP einen wundervollen Kuhhandel zum Thema längeres Tanzen an Stillen Tagen gegen das Recht der Kommunen, Alkoholverbot an öffentlichen Plätzen auszusprechen ausbaldowert haben, zeigt sich recht schnell das Ausmaß der ganzen Scheiße.  

Hier geht es mitnichten um den Alkohol, hier geht es auch nicht darum, Schnapsleichen zu verhindern oder besser mit Besäufnissen umzugehen – dafür haben die Kommunen noch genug verwaltungssanktionierte Festivitäten durch das Jahr verteilt. Nein, es geht um die Einfriedung des öffentlichen Raumes, es geht um die Verdrängung von sogenanntem “unerwünschten Verhalten”. Hier sollen “soziale Brennpunkte” durch ein Alkoholverbot aus den touristisch wertvollen oder anwohnersensiblen Gegenden verdrängt werden.

Ganz vorne mit dabei: Regensburg. Am Bahnhof wurde die neue Macht der Kommunen gleich in die Tat umgesetzt. Rauchen ist nur noch auf dem geräumigen Bahnhofsvorplatz gestattet und auch nur in Reichweite einer der beiden Aschenbecher. Trinken ist nach dem nun ausgesprochenen Verbot dort gar nicht mehr gestattet, und auch der übliche Aufenthaltsort der Handvoll stadtbekannter Rumhänger ist bereits mit einer überdimensionierten Kette und drei traurigen Grüngebilden verriegelt und verrammelt.

Und das ist – gelinde gesagt – Scheisse. Der öffentliche Raum heisst deshalb so, weil er uns gehört, der Öffentlichkeit. Das Ordnungsamt der Stadt und die Polizei hat jetzt bereits mehr als genug Handhabe mit Menschen umzugehen, die aufgrund von allzu krassem Besäufnis zu einer Gefahr für sich und andere geworden sind oder zu werden drohen. Die Beschneidung des öffentlichen Raumes ist eine Gefahr für uns alle. Ein Präzedenzfall jagt bekanntlich den nächsten. Und nur, weil es vielleicht uns grade nicht akut betrifft, ist nicht zu sagen, ob nicht demnächst unser Verhalten “unerwünscht” wird.

Ich will keine saubere Stadt. Ich will eine lebendige Stadt, eine authentische, eine vielfältige. Ich will keine Stadt der Verbote, sondern eine, in der der öffentliche Raum in der Tat noch seines Namens wert ist.

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One thought on “Unerwünschtes Verhalten – wem gehört der öffentliche Raum?

  1. Johnny says:

    Du stellst die Frage und vergisst sie dann auch schnell wieder: wem gehört der öffentliche Raum?
    Wieso haben die “stadtbekannten Rumhänger” ein besonderes Anrecht auf den Teil des öffentlichen Raumes und andere nicht? Gehört er ihnen mehr?

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