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Das schlechte Bier und die Kultur

Thurn_und_Taxis_Bier_Post

Bild CC-BY-SA von wikimedia/robotriot

Für das Folgende hab ich keine schriftlichen und öffentlichen Quellen ausgraben können. Nur Hörensagen und “das weiss man halt”. Ich  komm nicht aus der Gastro in Regensburg, von daher ist das für mich alles spannend und neu. Falls das für euch auch so ist, read on. Folgendes ist definitiv als eine Art educated speculation zu verstehen, aber Gerüchte sind ja auch mal ganz schön 🙂

Es gibt in Regensburg ein Bier, das wird weniger gern getrunken als anderes Bier. Das ist ein offenes Geheimnis (mir schmeckt dieses Bier übrigens, aber ich komm auch aus Berlin, da trinkt man ja traditionell Molle mit Korn). Dieses schlechte Bier wird erstaunlich häufig in Gastrobetrieben verkauft, obwohl es nicht unbedingt Leute anzieht – im Gegenteil. Grund dafür sind offenbar Verträge zwischen der Brauerei und den Gastropächtern, die vielleicht auch Klausel sind, wenn es nicht um Pacht, sondern um Verkauf von Gebäuden oder gar Grund geht. Da sowohl Brauereibetrieb als auch ein Immobilienbetrieb auf denselben Familienbetrieb zurückgehen, gibt es in Regensburg doch so einige Gebäude, auf denen so ein Vertrag lasten könnte. In so einem Falle passiert also vielleicht Folgendes:

Ein Gastrobetrieb findet sich eventuell in der unangenehmen Lage, exklusiv an eine Biermarke gebunden zu sein, mit Preisbindung und mit Mindestabnahmemenge. Das bedeutet, dass an diesem Bier nicht viel zu verdienen ist, demzufolge wird dieser Gastrobetrieb nicht unbedingt florieren, ausser er hat einen besonderen “pull”, etwas, was die Leute anzieht – sagen wir Kultur. Erst wenn dieser – wir nennen ihn jetzt nicht Knebelvertrag – endet, wird die Gastro potenziell rentabel, weil man endlich seine Biermarke frei wählen kann, zu einem marktüblichen Preis. Was könnte also passieren wenn solche Verträge enden?

Kultur raus. Kommerzdisko rein.

Spannenderweise heisst das für die Kulturbetriebe in Regensburg, dass sie ziemlich direkt vom Verkauf schlechten Bieres geschützt werden. Dort, wo diese Pachtverträge existieren, ist kein wirklich rentabler Event- oder Kneipenbetrieb zu realisieren. Deshalb lässt man dort gerne der Kultur den Vortritt. Wie so vieles in Bayern hängt also potenziell auch die Kultur am Bier. Spannend, oder? Vor allem, weil ich eigentlich erwarten würde, dass sich eine Kommune schützend vor seine Kulturoasen stellt, diese verteidigt und Freiräume zur künstlerischen Entfaltung schafft. Dass Kultur oft ein Kollateralaspekt von Gastro-Knebelverträgen zu sein scheint, finde ich recht grauslig.