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Regensburg: Zwischenstand Livestream und Mediathek

Die Koalition hatte im Koalitionsvertrag eine einjährige Probephase eines Online-Politikvermittlungsprojektes beschlossen: daraus ist ein Livestream vom Planungs- sowie Kulturausschuss mit zweimonatiger Mediathek für die Sitzungen geworden. Hier ist der Zwischenstand nach den Daten nach achtmonatiger Laufzeit (ein Monat davon Sommerpause), die mir zur Auswertung vorliegen (Quelle: Snapshot, die diesen Dienst für uns anbieten). Verzeiht die schlechte Qualität der Originalgrafiken und die relative Aussagelosigkeit: ich hab das als Hardcopy bekommen und hab das leidlich abfotografiert, um es euch zeigen zu können 🙂

1. Unser Stream

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  • Durchschnittlich 299 Zugriffe pro Stream (ca. 174 User im Durchschnitt)
  • Verwaltungs-IPs werden rausgerechnet
  • auf Nachfrage kam zutage, dass die kurze Verweildauer, die in der Statistik angegeben ist, nicht aussagekräftig ist, weil es immer noch stetig zu technischen Abbrüchen kommt, was sich auf die Verweildauer auswirkt

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2. Unsere Mediathek

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  • Durchschnittlich 500 Leute pro Monat klicken auf die Videos (über 1.000 in zwei Monaten)
  • Die allermeisten Videos in der Mediathek sind unter zehn Minuten lang, deshalb tauchen in den entsprechenden Grafiken auch wenig Views auf, die massgeblich länger wären
  • eine Detailauswertung der einzelnen Videos zeigt, dass alle Videos einer Sitzung angesehen werden und nicht nur das erste
  • Verweildauer lässt vermuten, dass Videos beliebter sind, dessen Themen in den Medien besprochen wurden oder die eine längere Diskussion nach sich führten. Müsste man genauer eruieren, kann ich aus der Statistik nicht rauslesen, weil die Videos schon offline sind

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3. Zahlen in anderen Städten

Stadt Zugriffe Stream pro Sitzung User Mediathek pro Monat
München

1.4 Mio Einwohner

600-800 500
Burglengenfeld

12.433 Einwohner

15-150 keine
Ingolstadt (audio only)

133.000 Einwohner

616 keine
Leipzig

556.017 Einwohner

60-80 keine
Erfurt

206.380 Einwohner

405 keine
Regensburg

140.276 Einwohner

299 500

4. Kosten

Einer mit der interessantesten Punkte an der Statistik sind die bisher angefallenen Kosten. Diese belaufen sich (Stand August 2015) auf 24.752,59 Euro. Ausgehend von den Gesamtuserzahlen der 15 Sitzungen Livestream (2.606), den Gesamtuserzahlen der Mediathek (7.522) und den bisherigen Gesamtkosten (24.752,59 Euro) haben wir bisher pro Monat pro ERREICHTEM Bürger 0,30 Euro ausgegeben (2,44 Euro gesamt pro erreichtem Bürger). Findet mal ein Projekt zur kommunalen Politikvermittlung, dass mit so wenig Kohle diese Reichweite hat.

5. Werbung

Die Ankündigungen einmal für den Stream und einmal für das erstmalige Auftauchen der Videos in der Mediathek am Tag nach der Sitzung werden ausschliesslich auf dem Twitteraccount der Stadt Regensburg (2.721 Followers) und dem Facebookaccount der Stadt Regensburg (6.337 “Gefällt Mir” Angaben) verbreitet. Erst in der Kulturausschuss-Sitzung vom 29. September haben einige Regensburger Medien begonnen, den Stream live bei sich auf den Webseiten einzubinden (Auswertung dieser Sitzung noch nicht vorhanden). Bis heute nutzt kein audiovisuelles Medium (Lokalradio, Lokalfernsehen) in Regensburg Stream oder Aufzeichnungen als Quelle der kommunalpolitischen Berichterstattung, obwohl redaktionelle Bearbeitung und Verwendung zulässig wären. Auf der Ebene der Parteien und Fraktionen sind es bisher nur die Piraten und die Grünen, die den Stream in ihren Kanälen ankündigen. Eine redaktionelle Auswertung findet hier ebenfalls nicht statt (obwohl grade die Videos zu Anträgen, deren Begründung und die darauffolgende Diskussion im Sinne von Politikvermittlung auch für die Öffentlichkeitsarbeit von Fraktionen und Parteien spannend wäre). Hier wird momentan noch von vielen Seiten aus viel Potential verschenkt.

6. Zusammenfassung

Im Vergleich mit anderen Städten (sogar ungleich grösseren) schneidet Regensburg ziemlich gut ab, besonders im Gebrauch der Mediathek, aber auch bei den Streamzugriffen. Die Userzahlen werden bislang ohne nennenswerte Werbung erreicht. Die Kosten sind mit 30 Cent pro erreichten Bürger pro Monat als vertretbar einzustufen, zumal keine Projekte für kommunale Politikvermittlung existieren, die wirtschaftlicher wären. Könnte alles noch besser sein, aber für ‘ohne Werbung’ erreichen wir immerhin deutlich mehr Leute, als wenn wir nur die Zuschauertribüne bei den öffentlichen Sitzungen öffnen würden.

Da die Evaluationsphase noch bis Ende Januar geht, ist eine weitere Auswertung Anfang Februar vonnöten. In der Zwischenzeit wird es interessant sein zu beobachten, wie und ob die crossmediale Verwendung der Stream- und Mediathekdaten zunimmt, und wenn ja, wie sich das auf die Anzahl der erreichten Bürger auswirkt, die das Projekt von den Kosten her noch wirtschaftlicher machen. Damit halte ich das Projekt als Beihilfe zur Politikvermittlung und als nicht-vorgefiltertes Informationsangebot für sinnvoll, wirtschaftlich und erfolgreich.

Von dem Tag, an dem 174 Leute auf der Tribüne im Stadtrat sitzen, während wir Sitzung haben, träumen wir nämlich.

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Extremismusklausel made in Regensburg – ein Debattenbeitrag

Bang!Wir haben in Regensburg jetzt eine Extremismusklausel. Sie muss am 23.10.2014 noch durch den Stadtrat, aber das ist wohl, so wie es aussieht, nur Makulatur. Unsere neuen Kulturfoerderrichtlinien, die ansonsten echt gut geworden sind (erhoehter Foerdersatz, Verdoppelung der Vergabesumme, erhoehter Verfuegungssatz fuer den Referenten, flexiblere Antragseinreichtsfristen…) haben einen Satz, der uebel ist. Unter Punkt 2.12 heisst es dann:

Begruendete Zweifel an der politischen und weltanschaulichen Offenheit oder an der Toleranz gegenueber Andersdenkenden koennen zu einem Ausschluss der Foerderung fuehren.

Nun ist dieser Satz in mehrerlei Hinsicht problematisch. Zum Einen, weil er die Foerderwuerdigkeit an die Gesinnung der Antragsteller knuepft; zum Anderen, weil Kunst oft provokativ ist und Grenzen ueberschreitet, um Diskurse anzustossen. Deshalb haben wir auch in Deutschland die durch das Grundgesetz gedeckte Kunstfreiheit.

Erfahrungen mit der Extremismusklausel im Bund haben unter anderem Wolfgang Thierse dazu verleitet, uns ueber die Meinungsfreiheit aufzuklaeren, mit dem Ergebnis, dass der Staat nicht das Recht habe seinen Buergern vorzuschreiben, was diese zu denken haben. Das finde ich sehr einleuchtend: Taten, Projektinhalte oder Zielsetzungen die sich der Rechtsstaatlichkeit verweigern, sind strafbar und koennen geahndet werden. Gedanken, die dasselbe tun, nicht. Dass eine kommunale Foerderung aus Fairnessgruenden erstmal allen BuergerInnen offenstehen muss, versteht sich von selbst. Dass man Rechtsrockkonzerte dadurch noch lange nicht foerdern muss, ja wohl hoffentlich auch.

Ein Beispiel. Ich will, dass die NPD verboten wird. Das ist momentan im Rechtsstaat nicht durchsetzbar, aus welchen Gruenden auch immer. Dass ich das trotzdem will und denken darf, ist durch Meinungsfreiheit gedeckt. In diese Richtung etwas unternehmen darf ich halt nicht. Wenn ich jetzt in Regensburg Kunstfoerderung fuer ein Projekt mit Butterblumen beantrage, koennte also Folgendes passieren. Man googlet meinen Namen und entdeckt, dass ich gegen Nazis bin. Weltanschauliche Offenheit nicht mehr gegeben, Butterblumenprojekt gecancelt. Das ist natuerlich ein Schwachsinnsbeispiel, deckt aber auf, wie willkuerlich dieser Passus ausgelegt werden kann und wie hoch das Potential fuer Missbrauch ist.

Es heisst naemlich dort ausdruecklich nicht, dass die Projekte weltanschauliche Offenheit und Toleranz erkennen lassen muessen, sondern es wird impliziert, dass der/die Antragsteller/in diese Offenheit mitbringen muss. Eine Regierung, die restriktiver und linkenfeindlicher ist als die unsere koennte diesen Satzungspassus zum Anlass nehmen, unliebsame linke Projekte zu exen. Und das waere der kulturellen Vielfalt in unserer Stadt enorm abtraeglich.

Wir sind in der Kommune manchmal sehr weit weg von der grossen Bundespolitik. Aber so elementare Grundgesetze wie die Kunstfreiheit und die Meinungsfreiheit sollten auch in der Regensburger Kulturszene herrschen duerfen. Wir sind eine starke Gemeinschaft. Ich halte uns fuer faehig, rassistische, sexistische, homophobe, antisemitische und andere weltanschaulich intolerante Projekte auch ohne diesen Passus zu verhindern, der mehr Geschirr zerdeppert als er rettet.

Fuer die Kunstfreiheit, ihr Memmen.

 

Das schlechte Bier und die Kultur

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Bild CC-BY-SA von wikimedia/robotriot

Für das Folgende hab ich keine schriftlichen und öffentlichen Quellen ausgraben können. Nur Hörensagen und “das weiss man halt”. Ich  komm nicht aus der Gastro in Regensburg, von daher ist das für mich alles spannend und neu. Falls das für euch auch so ist, read on. Folgendes ist definitiv als eine Art educated speculation zu verstehen, aber Gerüchte sind ja auch mal ganz schön 🙂

Es gibt in Regensburg ein Bier, das wird weniger gern getrunken als anderes Bier. Das ist ein offenes Geheimnis (mir schmeckt dieses Bier übrigens, aber ich komm auch aus Berlin, da trinkt man ja traditionell Molle mit Korn). Dieses schlechte Bier wird erstaunlich häufig in Gastrobetrieben verkauft, obwohl es nicht unbedingt Leute anzieht – im Gegenteil. Grund dafür sind offenbar Verträge zwischen der Brauerei und den Gastropächtern, die vielleicht auch Klausel sind, wenn es nicht um Pacht, sondern um Verkauf von Gebäuden oder gar Grund geht. Da sowohl Brauereibetrieb als auch ein Immobilienbetrieb auf denselben Familienbetrieb zurückgehen, gibt es in Regensburg doch so einige Gebäude, auf denen so ein Vertrag lasten könnte. In so einem Falle passiert also vielleicht Folgendes:

Ein Gastrobetrieb findet sich eventuell in der unangenehmen Lage, exklusiv an eine Biermarke gebunden zu sein, mit Preisbindung und mit Mindestabnahmemenge. Das bedeutet, dass an diesem Bier nicht viel zu verdienen ist, demzufolge wird dieser Gastrobetrieb nicht unbedingt florieren, ausser er hat einen besonderen “pull”, etwas, was die Leute anzieht – sagen wir Kultur. Erst wenn dieser – wir nennen ihn jetzt nicht Knebelvertrag – endet, wird die Gastro potenziell rentabel, weil man endlich seine Biermarke frei wählen kann, zu einem marktüblichen Preis. Was könnte also passieren wenn solche Verträge enden?

Kultur raus. Kommerzdisko rein.

Spannenderweise heisst das für die Kulturbetriebe in Regensburg, dass sie ziemlich direkt vom Verkauf schlechten Bieres geschützt werden. Dort, wo diese Pachtverträge existieren, ist kein wirklich rentabler Event- oder Kneipenbetrieb zu realisieren. Deshalb lässt man dort gerne der Kultur den Vortritt. Wie so vieles in Bayern hängt also potenziell auch die Kultur am Bier. Spannend, oder? Vor allem, weil ich eigentlich erwarten würde, dass sich eine Kommune schützend vor seine Kulturoasen stellt, diese verteidigt und Freiräume zur künstlerischen Entfaltung schafft. Dass Kultur oft ein Kollateralaspekt von Gastro-Knebelverträgen zu sein scheint, finde ich recht grauslig.

Pille Danach: Jetzt noch schwerer zu bekommen

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Danke liebe Stadt Regensburg für diesen Stinkefinger in Sachen Frauengesundheit.

Hier ist die Sachlage: 2017 schließt das Evangelische Krankenhaus. Genau, das einzige Krankenhaus, das bisher die Pille Danach allen Frauen verschrieben hat, die danach fragten. Klar, auch die Evangelischen sind Schweinehunde, haben sie doch eine demütigende, “pädagogische” Zwangsuntersuchung inklusive invasiver Ultraschalluntersuchung in petto. Damit man diese wundervolle Hormonkeule ja nicht zu oft als Notfallverhütung heranzieht.

Dennoch, in dieser Wahl zwischen Pest und ungewollter Schwangerschaft, war die Pille Danach immerhin zu haben. Besser als in den katholischen Häusern, die die Pille Danach nur im erwiesenen (?) Vergewaltigungsfall herausgeben. Besser als im Uniklinikum, das die Pille Danach nach harter Kritik nur “unter gewissen Umständen” verschreibt, also auch nur nach Vergewaltigung, nicht nach Verhütungsunfall.

Also Mädels aufgepasst: ab 2017 gibts keine adäquate medizinische Versorgung von Frauen in Regensburg mehr – grade nachts, an Feiertagen und am Wochenende, wo euer Lieblingsfrauenarzt nicht auf hat und die medizinische Notfallversorgung auf dem Gelände der Barmherzigen Brüder auch schon zu hat. In Österreich und Großbritannien und Frankreich ist dieses Medikament allerdings in der Apotheke zu haben. Vielleicht wirds langsam Zeit für Hamsterfahrten, wenn das so weitergeht.

Offenbar braucht Regensburg dringend eine Steigerung der Geburtenrate. Die Zusammenlegung der Kliniken unter katholischer Ägide ist jedenfalls die schlechteste Nachricht des Tages für hilfesuchende Frauen.

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Ein öffentlicher Ort. Und ein Ort der Öffentlichkeit.

Betreten Verboten

Neulich im Stadtrats-Ausschuss für wir-verkaufen-den-Regensburgern-noch-ihr-letztes-Stück-Stadt-unterm-Arsch-weg (Bauen und Wohnen) wurde eine Beschlußvorlage über das Museum der bayerischen Geschichte besprochen. Dabei kam nicht nur zu Tage, dass die Opposition sich ihre Informationen über die im Ausschuss besprochenen Beschlußvorlagen mühevoll aus dem Flurfunk und der Tagespresse zusammenklauben muss, nein, es offenbarte sich auch, welch interessante Definition die Regensburger Stadtoberen, vor allem Planungs- und Baureferentin Frau Schimpfermann, vom Konzept “öffentlicher Raum” haben.

Wo öffentlicher Raum für uns vor allem ein urbaner oder ländlicher Freiraum ist, der allen gehört und den man grundsätzlich erstmal frei benutzen kann, sieht Frau Schimpfermann den öffentlichen Raum vor allem als “Erlebnisbereich”. Sie bezieht sich damit auf die geplante Freifläche vor dem Museum der bayerischen Geschichte. Ein Haus, wohlgemerkt, das aus öffentlichen Geldern gebaut wird und das einen öffentlichen Zweck, nämlich den der Bildung und der Kulturgut-Bewahrung, verfolgt. Dieser wundervolle Raum hat also eine Freifläche, die “öffentlich” sein soll. Mit Gastronomie. Und Verzehrzwang. Und vermutlich auch nur den bezahlenden Besuchern des Museums offenstehend.

Verzeihung, Frau Schimpfermann, das ist kein öffentlicher Raum mehr. Das ist eine Farce.

Übrigens werden die Gäste des Museums der bayerischen Geschichte von ihrem Freisitz mit gastronomischem Angebot nicht nur einen wundervollen Ausblick auf die Donau haben – nein. Sie sitzen auch exakt in der visuellen Schneise der bezaubernen Busrampe, die sich genau vor dem Museum majestätisch vom Kaiufer zur Eisernen Brücke erheben wird. Wenn das kein Anblick ist.

Die Busrampe wird übrigens auch mit öffentlichen Mitteln gefördert und ist zumindest strenggenommen öffentlicher Raum. Vielleicht sollte man dann einfach mal da picknicken. Da ist bestimmt auch der Blick auf die Donau besser.

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Frauen. Reparaturen. Sexistische Kackscheisse im Wochenblatt.

Das Wochenblatt in Regensburg hat eine Kolumnistin, Alexandra Schindler, der ich auf diese Weise gerne auf ihre völlig behämmerte Kolumne “Wer macht eigentlich die Reparaturen im Haushalt von Single-Frauen?” antworten möchte. Der Stil meiner Antwort ist angelehnt an den der Originalkolumne.

Eine Frage stellt sich mir zur Zeit immer wieder: was machen all die Kolumnistinnen, deren Chef sie um eine Kolumne fragt? Man macht sich da ja in der Regel keine Gedanken, sondern schreibt einfach eine Kolumne runter, die sich auf das erste stereotype Vorurteil konzentriert, das einem so einfällt.

Würde nicht grade eines nach dem anderen bei mir zu Hause kaputt gehen, müsste ich auch nicht anfangen, mich damit zu beschäftigen. Aber so ist das nun Mal: wo gelebt wird, gehen Dinge kaputt und müssen ersetzt oder repariert werden. Mein verkalkter Duschkopf zum Beispiel. Das Bild, das an die Wand geschraubt werden will. Der PC, dessen Motherboard offenbar ausgetauscht gehört, weil er nicht mehr durchbootet. Mein Vater behauptete immer: Du kannst so gut mit Büchern, Bio-Leistungskurs ist doch nichts für dich. Hat ihn trotzdem nicht davon abgehalten, mir den Umgang mit der Bohrmaschine und das Betonmischen beizubringen. Du liebe Güte, was wäre ich hilflos, wenn ich bei jedem Problem auf jemanden angewiesen wäre.

Kochen, Haushalt, Wohnung einrichten, diese Dinge sind in meinen Partnerschaften grundsätzlich nicht meine Sache. Oder wenn, dann nur widerwillig. Ich kann besagtes Bild an die Wand bringen. Ich kann Spaghetti Bolognese kochen. Ich kann sogar regelmäßig staubsaugen, wenn ich mich reinhänge. In einem Haushalt, in dem ich alleine für alles da bin, ist das natürlich anders. Aber auch dabei spielt mein Geschlecht eine eher untergeordnete Rolle.

Frau Schindler fragt in ihrer Kolumne eine sinnvolle Frage: “Nur was macht man […] wenn man mit Schuhen und Mode besser umgehen kann als mit Schraubschlüssel und Hammer?” Darauf gibt es vielfältige Antworten: entweder man ringt sich durch, einfachere Reparaturen doch mal selber in Angriff zu nehmen, auch wenn sie nicht perfekt werden – alles Übungssache. Alternativ kann man das Problem natürlich auch an Profis auslagern. Selbst Freunde fragen ist nicht falsch – es gibt Dinge, die erledigen sich zu zweit besser. Falsch ist es allerdings, grundsätzlich davon auszugehen, dass Reparaturarbeiten keine Frauensache sind, Frauen das also per se nicht können.

Liebe Frau Schindler, da ihre Eltern Ihnen zwar offenbar Kochen, Haushalt, Wohnung einrichten beigebracht, aber dafür versäumt haben, Ihnen auch den korrekten Umgang mit Bohrmaschine, Kärcher und Rohrzange zu erläutern, kann ich Ihnen Kurse im lokalen Baumarkt empfehlen, die dort regelmäßig angeboten werden. Gehen Sie ruhig mal hin, dort gibt es sogar Schuhe! Diese praktischen, mit den Stahlkappen. Sehr schmuck.

Bevor Sie also das nächste Mal einen Mann mit Essen bestechen müssen, damit er Ihnen was repariert, probieren Sie es doch mal selbst. So ein tropfender Schlauch ist nicht Rocket Science. Und wenn doch, Sie haben ja bestimmt eine Hausratsversicherung. Sparen Sie sich die Dinner Dates lieber für angenehmere Angelegenheiten auf.

Politischer Aktivismus: Bobbycar fahren

Ich bin ein grosser Freund der Aktion, wenn es darum geht, politische Inhalte zu transportieren. Bürgerlicher Ausdruck biederer und ernsthafter politischer Vermittlung, dein Name ist Infostand. Kann ich auch, wenn ich muss. Kann aber anderes besser.

Zum Beispiel das mit der Aktion. Niemand hat je behauptet, dass Politik bieder sein müsse. Allerdings behaupten auch leider immer weniger Menschen, dass Politik Spass mache. Die Piraten sehen das ein wenig anders, deshalb sind sie auch offen für moderne Formen des AgitProp, die weniger mit stalinistischer Propaganda zu tun haben und mehr damit, Inhalte mit inszenierten Momenten im öffentlichen Raum zu vermitteln.
So wie das mit den Bobbycars. Wir wollten zuerst ein Seifenkistenrennen machen. Das haben wir uns dann aber selbst schnell wieder ausgeredet – zuviele Auflagen, zuviel Gefrickel an den Gefährten, zu gefährlich bei dem steilen Berg (dachten wir – mann sind wir übervorsichtig). Die nächste Idee war dann verwirklichbar: Bobbycars. Zur Zeit der Idee war der Regensburger ÖPNV noch nicht in der Presse. Zur Zeit der Aktion war das Thema brandheiss. Wir haben uns also voll in die lokale Debatte gestürzt. Die Lokalpresse hat das auch fein veröffentlicht.
Deshalb: nie wieder halbherzige Infostände, nur noch solche, für die man wirklich brennt. Und ansonsten abgefahrene Aktionen, verknüpft mit politischen Inhalten.
Wir haben noch viel vor: wir nehmen das mit dem Spass an der Politik wieder ernst.