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Bye-bye Wochenblatt

Zeitungen-02Ich hab jetzt lange ueberlegt, wie ich das formulieren soll, deshalb hier die Entscheidung zuerst, die (laengliche) Erklaerung danach: ich habe grade das Regensburger Wochenblatt aus meinem Presseverteiler genommen und werde auch keine Anfragen der Redaktion mehr beantworten.

Mir ist bewusst, dass wir in Regensburg eine eher spaerliche Medienlandschaft haben und dass es zu meinem Auftrag als Mandatstraegerin gehoert, Transparenz und Oeffentlichkeit meiner Arbeit (auch via Medien) herzustellen. Die Frage, die sich mir beim Wochenblatt aber stellt ist: “Wuerde ich wollen, dass meine Antworten auf politische Fragen (wie beispielsweise jetzt zum CSD) neben einer Kolumne stehen, in der Vorurteile ueber Jugendliche mit Migrationshintergrund verbreitet werden?” Die Antwort ist – Nein. Will ich nicht. Ich gebe auch der Bildzeitung kein Interview, weil mich deren Inhalte und Methoden ankotzen.

Die generelle Ausrichtung des Regensburger Wochenblattes und speziell die persoenliche Meinung des Chefredakteurs, der diese woechentlich in Kolumnen veroeffentlicht, ist klar als Rechtspopulismus zu erkennen. Ich sehe mich nicht laenger in der Lage, das still zu ignorieren oder es gar als “nicht boese gemeint” zu relativieren, wie es einige meiner KollegInnen tun. Geht nicht. Kann ich nicht ruhig schlafen bei.

Ich sage also “Bye Bye Wochenblatt” und gehe stark davon aus, dass weder mir noch euch was fehlen wird. Und wenn ihr meine politische Meinung zum CSD, zur Stadtpolitik allgemein oder zu eurem Lieblingsthema wissen wollt, schreibt mir halt ne Mail, oder fragt hier, auf Facebook oder auf Twitter.

Ich bin ja schliesslich aus dem Internet.

Extremismusklausel made in Regensburg – ein Debattenbeitrag

Bang!Wir haben in Regensburg jetzt eine Extremismusklausel. Sie muss am 23.10.2014 noch durch den Stadtrat, aber das ist wohl, so wie es aussieht, nur Makulatur. Unsere neuen Kulturfoerderrichtlinien, die ansonsten echt gut geworden sind (erhoehter Foerdersatz, Verdoppelung der Vergabesumme, erhoehter Verfuegungssatz fuer den Referenten, flexiblere Antragseinreichtsfristen…) haben einen Satz, der uebel ist. Unter Punkt 2.12 heisst es dann:

Begruendete Zweifel an der politischen und weltanschaulichen Offenheit oder an der Toleranz gegenueber Andersdenkenden koennen zu einem Ausschluss der Foerderung fuehren.

Nun ist dieser Satz in mehrerlei Hinsicht problematisch. Zum Einen, weil er die Foerderwuerdigkeit an die Gesinnung der Antragsteller knuepft; zum Anderen, weil Kunst oft provokativ ist und Grenzen ueberschreitet, um Diskurse anzustossen. Deshalb haben wir auch in Deutschland die durch das Grundgesetz gedeckte Kunstfreiheit.

Erfahrungen mit der Extremismusklausel im Bund haben unter anderem Wolfgang Thierse dazu verleitet, uns ueber die Meinungsfreiheit aufzuklaeren, mit dem Ergebnis, dass der Staat nicht das Recht habe seinen Buergern vorzuschreiben, was diese zu denken haben. Das finde ich sehr einleuchtend: Taten, Projektinhalte oder Zielsetzungen die sich der Rechtsstaatlichkeit verweigern, sind strafbar und koennen geahndet werden. Gedanken, die dasselbe tun, nicht. Dass eine kommunale Foerderung aus Fairnessgruenden erstmal allen BuergerInnen offenstehen muss, versteht sich von selbst. Dass man Rechtsrockkonzerte dadurch noch lange nicht foerdern muss, ja wohl hoffentlich auch.

Ein Beispiel. Ich will, dass die NPD verboten wird. Das ist momentan im Rechtsstaat nicht durchsetzbar, aus welchen Gruenden auch immer. Dass ich das trotzdem will und denken darf, ist durch Meinungsfreiheit gedeckt. In diese Richtung etwas unternehmen darf ich halt nicht. Wenn ich jetzt in Regensburg Kunstfoerderung fuer ein Projekt mit Butterblumen beantrage, koennte also Folgendes passieren. Man googlet meinen Namen und entdeckt, dass ich gegen Nazis bin. Weltanschauliche Offenheit nicht mehr gegeben, Butterblumenprojekt gecancelt. Das ist natuerlich ein Schwachsinnsbeispiel, deckt aber auf, wie willkuerlich dieser Passus ausgelegt werden kann und wie hoch das Potential fuer Missbrauch ist.

Es heisst naemlich dort ausdruecklich nicht, dass die Projekte weltanschauliche Offenheit und Toleranz erkennen lassen muessen, sondern es wird impliziert, dass der/die Antragsteller/in diese Offenheit mitbringen muss. Eine Regierung, die restriktiver und linkenfeindlicher ist als die unsere koennte diesen Satzungspassus zum Anlass nehmen, unliebsame linke Projekte zu exen. Und das waere der kulturellen Vielfalt in unserer Stadt enorm abtraeglich.

Wir sind in der Kommune manchmal sehr weit weg von der grossen Bundespolitik. Aber so elementare Grundgesetze wie die Kunstfreiheit und die Meinungsfreiheit sollten auch in der Regensburger Kulturszene herrschen duerfen. Wir sind eine starke Gemeinschaft. Ich halte uns fuer faehig, rassistische, sexistische, homophobe, antisemitische und andere weltanschaulich intolerante Projekte auch ohne diesen Passus zu verhindern, der mehr Geschirr zerdeppert als er rettet.

Fuer die Kunstfreiheit, ihr Memmen.

 

Das schlechte Bier und die Kultur

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Bild CC-BY-SA von wikimedia/robotriot

Für das Folgende hab ich keine schriftlichen und öffentlichen Quellen ausgraben können. Nur Hörensagen und “das weiss man halt”. Ich  komm nicht aus der Gastro in Regensburg, von daher ist das für mich alles spannend und neu. Falls das für euch auch so ist, read on. Folgendes ist definitiv als eine Art educated speculation zu verstehen, aber Gerüchte sind ja auch mal ganz schön 🙂

Es gibt in Regensburg ein Bier, das wird weniger gern getrunken als anderes Bier. Das ist ein offenes Geheimnis (mir schmeckt dieses Bier übrigens, aber ich komm auch aus Berlin, da trinkt man ja traditionell Molle mit Korn). Dieses schlechte Bier wird erstaunlich häufig in Gastrobetrieben verkauft, obwohl es nicht unbedingt Leute anzieht – im Gegenteil. Grund dafür sind offenbar Verträge zwischen der Brauerei und den Gastropächtern, die vielleicht auch Klausel sind, wenn es nicht um Pacht, sondern um Verkauf von Gebäuden oder gar Grund geht. Da sowohl Brauereibetrieb als auch ein Immobilienbetrieb auf denselben Familienbetrieb zurückgehen, gibt es in Regensburg doch so einige Gebäude, auf denen so ein Vertrag lasten könnte. In so einem Falle passiert also vielleicht Folgendes:

Ein Gastrobetrieb findet sich eventuell in der unangenehmen Lage, exklusiv an eine Biermarke gebunden zu sein, mit Preisbindung und mit Mindestabnahmemenge. Das bedeutet, dass an diesem Bier nicht viel zu verdienen ist, demzufolge wird dieser Gastrobetrieb nicht unbedingt florieren, ausser er hat einen besonderen “pull”, etwas, was die Leute anzieht – sagen wir Kultur. Erst wenn dieser – wir nennen ihn jetzt nicht Knebelvertrag – endet, wird die Gastro potenziell rentabel, weil man endlich seine Biermarke frei wählen kann, zu einem marktüblichen Preis. Was könnte also passieren wenn solche Verträge enden?

Kultur raus. Kommerzdisko rein.

Spannenderweise heisst das für die Kulturbetriebe in Regensburg, dass sie ziemlich direkt vom Verkauf schlechten Bieres geschützt werden. Dort, wo diese Pachtverträge existieren, ist kein wirklich rentabler Event- oder Kneipenbetrieb zu realisieren. Deshalb lässt man dort gerne der Kultur den Vortritt. Wie so vieles in Bayern hängt also potenziell auch die Kultur am Bier. Spannend, oder? Vor allem, weil ich eigentlich erwarten würde, dass sich eine Kommune schützend vor seine Kulturoasen stellt, diese verteidigt und Freiräume zur künstlerischen Entfaltung schafft. Dass Kultur oft ein Kollateralaspekt von Gastro-Knebelverträgen zu sein scheint, finde ich recht grauslig.

Pille Danach: Jetzt noch schwerer zu bekommen

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Danke liebe Stadt Regensburg für diesen Stinkefinger in Sachen Frauengesundheit.

Hier ist die Sachlage: 2017 schließt das Evangelische Krankenhaus. Genau, das einzige Krankenhaus, das bisher die Pille Danach allen Frauen verschrieben hat, die danach fragten. Klar, auch die Evangelischen sind Schweinehunde, haben sie doch eine demütigende, “pädagogische” Zwangsuntersuchung inklusive invasiver Ultraschalluntersuchung in petto. Damit man diese wundervolle Hormonkeule ja nicht zu oft als Notfallverhütung heranzieht.

Dennoch, in dieser Wahl zwischen Pest und ungewollter Schwangerschaft, war die Pille Danach immerhin zu haben. Besser als in den katholischen Häusern, die die Pille Danach nur im erwiesenen (?) Vergewaltigungsfall herausgeben. Besser als im Uniklinikum, das die Pille Danach nach harter Kritik nur “unter gewissen Umständen” verschreibt, also auch nur nach Vergewaltigung, nicht nach Verhütungsunfall.

Also Mädels aufgepasst: ab 2017 gibts keine adäquate medizinische Versorgung von Frauen in Regensburg mehr – grade nachts, an Feiertagen und am Wochenende, wo euer Lieblingsfrauenarzt nicht auf hat und die medizinische Notfallversorgung auf dem Gelände der Barmherzigen Brüder auch schon zu hat. In Österreich und Großbritannien und Frankreich ist dieses Medikament allerdings in der Apotheke zu haben. Vielleicht wirds langsam Zeit für Hamsterfahrten, wenn das so weitergeht.

Offenbar braucht Regensburg dringend eine Steigerung der Geburtenrate. Die Zusammenlegung der Kliniken unter katholischer Ägide ist jedenfalls die schlechteste Nachricht des Tages für hilfesuchende Frauen.

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Das Internet, ein panoptischer Spiegel?

What??!

What??!

Johannes Thumfart hat in der taz einen Artikel über den Datenschutz geschrieben. Genauer gesagt, warum wir ihn vernachlässigen. Thumfart zeichnet ein Bild eines digitalen Panopticons, einer diffusen Überwachungsmentalität, in der der Schwarm die anonyme Entität des Überwachers einnimmt, zu der wir uns im Internet zwangsweise verhalten. Er zieht Parallelen zur Lacanschen Spiegeltheorie und zeigt auf, dass wir gesehen werden möchten, weil wir uns selbst nicht betrachten können.

Hier meine Erwiderung auf seinen Artikel:

Die Idee des Bentham’schen Panopticons ist eine der systematischen Demütigung, des Strafens und des Disziplinierens. Es geht dort um die Eindämmung unerwünschten und schlechten Verhaltens mit Hilfe einer allgemeinen Überwachungsmentalität: Die Gefangenen im Panopticon können nicht sehen, wer sie überwacht und wer sie sieht. Der Staat als Gefängniswärter und wir als permanent Überwachte und potenzielle Verbrecher: das war die Schreckensphilosophie, die Foucault so genervt hat, und gegen die wir ankämpfen. Der Staat soll nicht die Voraussetzungen schaffen, um dem mündigen Bürger seine Mündigkeit, seine Eigenverantwortlichkeit und sein Recht auf Unbeobachtetsein wegzunehmen. Es gebührt keinem Staat, einen Überwachungsrahmen wie den des Panopticons zu schaffen, in dem wir in permanenter Angst vor dem Gesehen- und Bewertetwerden leben müssen und in dem wir uns ständig wie Verbrecher fühlen müssen. Das Panopticon ist das Resultat eines negativen Menschenbildes.

Im Internet, schreibt Thumwart, setzen wir uns diesen Mechanismen freiwillig aus: wir lassen uns beobachten, bewerten, wir stellen unser Innerstes nach Aussen – weil uns das Gesehenwerden wichtiger ist als der Aspekt des potenziell Bestraftwerdens. Die Spiegeltheorie von Lacan – dass wir Spiegel brauchen (mechanische oder menschliche), damit wir uns selbst näherkommen können, uns selbst betrachten können – greift laut Thumwart im Internet besonders. Wir geben unsere Individualität auf und legen Entscheidungen in die Hände eines diffusen Schwarms.

Das ist so nicht richtig. Wir sind mündige Menschen. Auch im Internet. Wir haben die Möglichkeit, mittels Medienkompetenz über die Mechanismen des Internets und unseren Anteil daran zu reflektieren. “Denke selbst” ist in der heutigen Zeit eine der wichtigsten Maximen überhaupt: nur wenn wir das, was um uns herum vorgeht, beständig kategorisieren und in den eigenen Wertekosmos einordnen, können wir als Entität im Internet bestehen. Anders als Thumfart wage ich hier den Umkehrschluß: wir überwachen uns nicht gegenseitig, sondern wir erziehen uns in bester Aufklärungsmanier zu besseren Menschen. Das Internet sorgt für die Schärfung unserer Ethik, unserer Werte. Es hilft, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen und mit Gegnern zu debattieren, den eigenen Kosmos zu stärken und gegebenenfalls zu erweitern.

Für mich ist das Internet weder ein Panopticon – ein Apparat des Disziplinierens und Strafens – noch ein Spiegel. Für mich ist das Internet eine Erweiterung unserer Sinne, unseres Denkens. Ein stetiger Input, den wir für uns selbst kategorisieren und einsortieren müssen. Es ist eine Heterotopie, in der die normativen Gesetzmäßigkeiten temporär außer Kraft gesetzt werden können. Die nur mit dem Rüstzeug unseres eigenen Denkens, unserer Werte und unserer Ethik kartierbar, rückübersetzbar und verständlich ist:

Denke selbst.

Frauen. Reparaturen. Sexistische Kackscheisse im Wochenblatt.

Das Wochenblatt in Regensburg hat eine Kolumnistin, Alexandra Schindler, der ich auf diese Weise gerne auf ihre völlig behämmerte Kolumne “Wer macht eigentlich die Reparaturen im Haushalt von Single-Frauen?” antworten möchte. Der Stil meiner Antwort ist angelehnt an den der Originalkolumne.

Eine Frage stellt sich mir zur Zeit immer wieder: was machen all die Kolumnistinnen, deren Chef sie um eine Kolumne fragt? Man macht sich da ja in der Regel keine Gedanken, sondern schreibt einfach eine Kolumne runter, die sich auf das erste stereotype Vorurteil konzentriert, das einem so einfällt.

Würde nicht grade eines nach dem anderen bei mir zu Hause kaputt gehen, müsste ich auch nicht anfangen, mich damit zu beschäftigen. Aber so ist das nun Mal: wo gelebt wird, gehen Dinge kaputt und müssen ersetzt oder repariert werden. Mein verkalkter Duschkopf zum Beispiel. Das Bild, das an die Wand geschraubt werden will. Der PC, dessen Motherboard offenbar ausgetauscht gehört, weil er nicht mehr durchbootet. Mein Vater behauptete immer: Du kannst so gut mit Büchern, Bio-Leistungskurs ist doch nichts für dich. Hat ihn trotzdem nicht davon abgehalten, mir den Umgang mit der Bohrmaschine und das Betonmischen beizubringen. Du liebe Güte, was wäre ich hilflos, wenn ich bei jedem Problem auf jemanden angewiesen wäre.

Kochen, Haushalt, Wohnung einrichten, diese Dinge sind in meinen Partnerschaften grundsätzlich nicht meine Sache. Oder wenn, dann nur widerwillig. Ich kann besagtes Bild an die Wand bringen. Ich kann Spaghetti Bolognese kochen. Ich kann sogar regelmäßig staubsaugen, wenn ich mich reinhänge. In einem Haushalt, in dem ich alleine für alles da bin, ist das natürlich anders. Aber auch dabei spielt mein Geschlecht eine eher untergeordnete Rolle.

Frau Schindler fragt in ihrer Kolumne eine sinnvolle Frage: “Nur was macht man […] wenn man mit Schuhen und Mode besser umgehen kann als mit Schraubschlüssel und Hammer?” Darauf gibt es vielfältige Antworten: entweder man ringt sich durch, einfachere Reparaturen doch mal selber in Angriff zu nehmen, auch wenn sie nicht perfekt werden – alles Übungssache. Alternativ kann man das Problem natürlich auch an Profis auslagern. Selbst Freunde fragen ist nicht falsch – es gibt Dinge, die erledigen sich zu zweit besser. Falsch ist es allerdings, grundsätzlich davon auszugehen, dass Reparaturarbeiten keine Frauensache sind, Frauen das also per se nicht können.

Liebe Frau Schindler, da ihre Eltern Ihnen zwar offenbar Kochen, Haushalt, Wohnung einrichten beigebracht, aber dafür versäumt haben, Ihnen auch den korrekten Umgang mit Bohrmaschine, Kärcher und Rohrzange zu erläutern, kann ich Ihnen Kurse im lokalen Baumarkt empfehlen, die dort regelmäßig angeboten werden. Gehen Sie ruhig mal hin, dort gibt es sogar Schuhe! Diese praktischen, mit den Stahlkappen. Sehr schmuck.

Bevor Sie also das nächste Mal einen Mann mit Essen bestechen müssen, damit er Ihnen was repariert, probieren Sie es doch mal selbst. So ein tropfender Schlauch ist nicht Rocket Science. Und wenn doch, Sie haben ja bestimmt eine Hausratsversicherung. Sparen Sie sich die Dinner Dates lieber für angenehmere Angelegenheiten auf.